Fanny Munzar
Daten unbekannt, Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts
Musikerin und Unternehmerin

Frauen in Brigittenau
Sie war berufsmäßige Zitherspielerin und besaß einen eigenen Musikverlag (Fanny Munzar Verlag) mit dem sie eine Vielzahl an Zitherkompositionen herausgab. Noch immer findet man unzählige Notenblätter und Ausgaben von Fanny Munzar. Auch im Buch von Katharina Pecher-Havers „Der Salon des Proletariats: Die Narrative der Zitherkultur und ihre Erzählräume.“ wird sie als Verlegerin erwähnt. Als einer der wenigen Komponistinnen ihrer Zeit schrieb sie unzählige Stücke: Volkslieder, Tänze, Walzer u.a., wie Ballkönigin, Feenwalzer, Lebenslust, Blume des Glücks etc.. Ihr Repertoire ist zumeist melodiös und wird bis heute bei Anlässen gespielt. Auch sind ihre Werke beliebte Lehrstücke im Zitherunterricht. Darüber hinaus war Munzar Eigentümerin einer behördlich konzessionierten Zitherschule in der Brigittenau, in der Rauscherstraße 11. Dort lernte Anton Karas, der das berühmte Harry Lime Thema im Film „Der Dritte Mann“ komponierte. Die für die Wiener Stimmung charakteristische Form der Besaitung der Zither und die zugehörige Spielweise entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien. Die Spielweise der Zither verbreitete eine besondere Stimmung und wurde zu einer einzigartigen Wiener Unterhaltungsmusik, die in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Durch zahlreiche Zitherschulen und -vereine wurde die Zither, das „Lamentierbrettl“ wie man in Wien um 1900 liebevoll zu sagen pflegte, zum Masseninstrument der Arbeiterklasse. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Munzar ihre Schule in der Brigittenau führte.