Adelheid Popp

1896 – 1939
Frauenrechtlerin, Politikerin, Journalistin

Adelheid Popp

Frauen in hernals

Geboren wurde Adelheid in eine Arbeiter*innen-Familie in den Elendsquartieren um die Ziegelfabriken südlich von Wien. Die Eltern kamen aus Böhmen. Adelheids Mutter konnte nur gebrochen Deutsch und war Analphabetin. Der Vater war alkoholkrank und gewalttätig. Er starb, als Adelheid Popp 6 Jahre alt war. Weil das Einkommen einer Alleinerziehenden kaum reichte, mussten Adelheid und ihre Geschwister schon im Alter von 10 Jahren arbeiten. Zunächst hatte Adelheid Heimarbeiten (z.B. als Schafwollhäklerin) zu erledigen, später schuftete sie in Fabriken.

„Ich empfand es schmerzlich, dass man über die Arbeiterinnen nicht sprach“

In ihrer Autobiografie „Jugend einer Arbeiterin“ (1909) schildert Adelheid ihren Weg der Emanzipation vom feudal-patriarchal und katholisch geprägten Elternhaus und der politischen Selbstermächtigung. Über Kollegen ihres Bruders kam sie in Kontakt mit sozialdemokratischen Ideen. Sie entwickelte großes Interesse dafür, bildete sich selbst weiter und betrieb in den Fabriken, in denen sie arbeitete, aktiv Propaganda. Auf Versammlungen der Arbeiter*innen-Bewegung vermisste sie, dass über die Situation der Frauen in der Arbeiter*innenschaft mit keinem Wort erwähnt wurde.

„Aufklärung, Bildung und Wissen forderte ich für mein Geschlecht“

Adelheid war 17 Jahre alt, als sie ihre erste Rede bei einer Versammlung hielt. Das war der Wendepunkt in ihrem Leben: Führende Sozialisten wie Friedrich Engels, August Bebel, Jakob Reumann und Viktor Adler wurden auf die begabte Agitatorin aufmerksam. Emma Adler, die Frau von Viktor Adler, gab Adelheid ihr Sprach- und Rechtschreibunterricht.

Sie wurde eine gefragte Rednerin. Ihr Mut und ihre mitreißenden Reden bewirkten, dass ihr im Oktober 1892 die Leitung der Arbeiterinnen-Zeitung übertragen wurde. Diese setzte sie gezielt als Sprachrohr für die Sache der Frauen ein. So unterstützte sie z.B. den ersten großen Arbeiterinnenstreik in Wien 1893, um Lohnerhöhungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Ihr Ziel: Frauen darin zu stärken, selbst aktiv zu werden und für ihre Rechte zu kämpfen.

„Die Frauen hatten keinen teilnehmenderen Freund als ihn“

In ihrem Mann Julius Popp fand Adelheid eine starke Stütze. Er sorgte für die Kinder ebenso wie er sie in ihrem Kampf um die Rechte der Frauen und das Frauenwahlrecht bestärkte. Da Julius Popp auch für die Partei arbeitete, zogen sie sich parteiintern die Kritik der „Vetternwirtschaft“ und „Bonzentums“ zu. Darum verzichtete Adelheid auf ihr Gehalt als Chefredakteurin der Arbeiterinnen-Zeitung. Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1902 wusste sie oft nicht, wie sie ihre alte Mutter und ihre kleinen Kinder über die Runden bringen sollte. Selbst als sie wieder für ihre Arbeit bezahlt wurde, wurde sie geringer entlohnt als Männer in ähnlichen Positionen.

Die erste weibliche Abgeordnete im Parlament

Adelheid Popp war eine Schlüsselfigur im Kampf um das Frauenwahlrecht in Österreich. 1919 zog sie als eine der ersten Frauen in den Nationalrat ein. Im Parlament setzte sie sich vehement für soziale Anliegen und die Rechte der Frauen ein. Insbesondere trat sie gegen das geltende Ehegesetz auf und erhob selbst gegen parteiinterne Kritik die Forderung nach der Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs. Adelheid Popp war bis zum Ende der Ersten Republik Nationalratsabgeordnete. Sie entging einer Verhaftung nach den Februarkämpfen 1934 aufgrund eines Spitalaufenthalts. Unter dem Autoritären Ständestaat lebte sie zurückgezogen. Sie verfügte über keine gesicherte Altersversorgung. Adelheid Popp starb am 7. März 1939 in Wien.

Auf Vorschlag der Grünen Alternative Hernals wurde der kleine Platz an der Geblergasse auf Höhe des Gymnasiums Parhamerplatz „Adelheid Popp-Park“ benannt. Adelheid Popp hat lt. lt. „Lexikon deutscher Frauen der Feder“ am Dornerplatz 13 in Wien-Hernals gewohnt.

Zitate aus Sibylle Hamann, Katharina Prager: Jugend einer Arbeiterin, Verlag Picus, Wien 2019, S. 107, S. 113, S. 126.

Weiterführende Links: 

Biografien zu Adelheid Popp:

  • Gabriella Hauch: Popp, Adelheid, geborene Dwořak. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 622 f. (Digitalisat).
  • Roswita Reiter: Adelheid Popp. Biografie einer bewegenden Sozialdemokratin. Verlag Miramonte, Regau 2010. 52 Bn. ISBN 978-3-901558-10-8.
  • Gernot Trausmuth: »Ich fürchte niemanden«. Adelheid Popp und der Kampf für das Frauenwahlrecht. Mandelbaum Verlag, Wien 2019, ISBN 978-3-85476-591-2.
  • Sibylle Hamann, Katharina Prager: Jugend einer Arbeiterin, Verlag Picus, Wien 2019, ISBN 978-3711720870.