Friedl Dicker-Brandeis
1898-1944
Bildende Künstlerin, Innenarchitektin, Kunstpädagogin

Frauen in Leopoldstadt
Als im Austrofaschismus verfolgte Kommunistin musste sie nach Prag übersiedeln. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie Zeichenkurse für Kinder abhielt. 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.
Friedl Dicker -Brandeis besuchte die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt und die Kunstgewerbeschule, war dann eine der ersten Studentinnen des Bauhauses in Weimar, wurde dort stark beeinflusst von Walter Gropius, Johannes Itten, Paul Klee, Arnold Schönberg und Oskar Schlemmer. Nach einem Aufenthalt in Berlin, wo sie für Berthold Viertel Theaterproduktionen ausstattete, kehrte sie in ihre Heimatstadt zurück. Von 1926-31 leitete sie gemeinsam mit Franz Singer das renommierte Atelier „Singer-Dicker“, das neben funktionellem und quantiativ hochwertigem Design auch Wohnungen, Geschäfte, Freizeitanlagen und den Montessori-Kindergarten „Goethehof“ entwarf. Im Bauhausstil – jeder Bau stellt ein Gesamtkunstwerk dar – erweiterte sie in der Leopoldstadt die Villa Heriot am Rande des Praters. 1931 wurde das Atelier aufgelöst. Friedl Dicker trat der KPÖ bei und begann sich verstärkt sozial zu engagieren, unter anderem in der Organisation „Jugend am Werk“, die sich für die Resozialisierung Jugendlicher durch handwerkliche Ausbildung einsetzte.
Ihre politische Einstellung führte schließlich zu ihrer Verhaftung während der Februarunruhen 1934 und ihrer anschließenden Emigration nach Prag, wo sie intensiv mit traumatisierten Emigrantenkindern arbeitete. Im April 1936 heiratete sie ihren Cousin Pavel Brandeis. Mit ihm zog sie im Sommer 1938 nach Hronov an die polnische Grenze, von wo sie 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde.
Die Malerin, Designerin, Architektin und Kunsttherapeutin Friedl Dicker-Brandeis hinterließ neben ihren vielseitigen beeindruckenden Arbeiten ein berührendes Zeugnis an einem Ort der Barbarei: Sie lehrte im KZ Theresienstadt die Kinder, sich künstlerisch auszudrücken und so ihr Leben im Lager zu bewältigen. Über fünftausend Kinderzeichnungen aus dem KZ brachte sie in Sicherheit, bevor sie nach Auschwitz transportiert und dort im Dezember 1944 ermordet wurde.
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