Elisabeth Ben David-Hindler
1949-2016
Soziologin und Initiatorin des Vereins „Steine der Erinnerung“

Frauen in Leopoldstadt
Tochter aus einem jüdisch-kommunistischen Elternhaus, Studium der Soziologie; 23 Jahre Leiterin und Lehrerin der Alternativschule im WUK; Lebens- und Sozialberaterin. Intensive persönliche Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte und der Ermordung der Großeltern; Initiatorin und Generalsekretärin des Vereins „Steine der Erinnerung“.
Als im Herbst 2005 Elisabeth Ben David Hindler unter großer Anteilnahme des Bezirks Leopoldstadt auf dem neu gestalteten Volkertplatz die Steine der „Straße der Erinnerung“ feierlich eröffnete, ahnte niemand, dass sie mit diesen Steinen – heute Denkmäler – die Stadt zumindest teilweise verändern wird. Die Besonderheit dieser „Straße“ waren und sind die in den Boden gesetzten Messingtafeln – Steine der Erinnerung, die uns an jüdische ermordete und vertriebene Bewohner:innen erinnern. wird sich zumindest teilweise verändern.
Die „Straße der Erinnerung“ führte zu einem umfassenderen Projekt, zu den „Wegen der Erinnerung“. Die Steine bringen uns nun zu vielen für das frühere jüdische Leben in der Leopoldstadt bedeutsamen Orten und wurden in den Folgejahren auch in weiteren Bezirken gesetzt. Das Projekt wird von großer Zustimmung seitens der Bevölkerung getragen und von Seiten vieler jüdischer Menschen als Geschenk empfunden.
Nicht nur, dass auf die Geschichte und Alltag des jüdischen Lebens aufmerksam gemacht wird, für die Angehörigen ist es die Chance, ihrer vom Nazi-Regime verfolgten und ermordeten Eltern, Großeltern und Geschwister an einem bleibenden Ort der Erinnerung zu gedenken. Zu den Eröffnungen nehmen daher Angehörige für manche auch sehr beschwerliche Reisen aus vielen Ländern und Kontinenten auf sich..
Vor der Shoah war die Leopoldstadt das Zentrum jüdischer Kultur und jüdischen Lebens in Wien. Von ca. 48.000 Jüdinnen und Juden, die aus Wien deportiert wurden, hatten mehr als zwei Drittel ihren letzten Wohnort in der Leopoldstadt. Seit den 2000er-Jahren ist die jüdische Prägung der Leopoldstadt mit zahlreichen Benennungen nach Persönlichkeiten, die als Juden und Jüdinnen deportiert wurden oder gerade noch flüchten konnten, in den öffentlichen Raum zurückkehrt.
Im September 2020 ehrte der Bezirk Leopoldstadt Elisabeth Ben David Hindler mit der Benennung des Parks am Elderschplatz, nahe ihrer einstigen Wohnadresse.
Seien wir achtsam und mutig, wenn jemand versucht, Menschen einer bestimmten Religion, Nationalität oder Weltanschauung aus unseren Gemeinschaften auszuschließen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das Gedenken an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte hochgehalten wird, so wie es uns Elisabeth Ben David Hindler gezeigt hat. Niemals vergessen!
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